Welterbestätten: eine Zeitreise in die Geschichte des Landes
Auf den Spuren der singhalesischen Könige
Durch ein wahrhaftig spektakuläres Eingangstor beginnt die Reise durch die Vergangenheit von Sri Lanka. Zwei riesige Löwentatzen säumen den Aufgang zur ehemaligen Festungsstadt Sigiriya. Wer sich zwischen den Riesenkrallen hindurch wagt, begibt sich auf einen in die Wand gegrabenen Aufgang mit mehr als 1000 Stufen, der zum Gipfel des Felsens führt. Der Panoramablick am Ende des Aufgangs ist atemberaubend. Das Grün des Dschungels, das Blau der Seen und das Weiß der Wolken vermischen sich zu einem eindrucksvollen lebendigen Gemälde. Von der ehemaligen Landeshauptstadt hoch oben auf dem Felsen sind heute nur noch einige Palastmauern und von einem genialen System bewässerte Gärten erhalten. Die Stadt verlor für die Herrscher nach und nach an Bedeutung, bis sie schließlich durch eine andere historische Stadt ersetzt wurde. Vom 11. bis 12. Jahrhundert war Polonnaruwa das pulsierende Herz des Landes. Auf diesem über 100 Hektar großen Gebiet reihen sich Statuen, Tempel und Paläste aneinander und zeugen vom einstigen Wohlstand der Stadt. Besucher können hier Rankot Vihara bewundern, die viertgrößte Dagoba der Insel, deren Kuppel 50 Meter hoch ist. Ein Stück weiter drängen sich Gläubige und Mönche vor den in Stein gehauenen Buddhas des Tempels Gal Vihara. Die Fresken des Säulengangs oder Vatadage sind erstaunlich gut erhalten und ziehen den Betrachter mit ihrer faszinierenden Schönheit in ihren Bann.

Dann geht die Reise weiter Richtung Süden, um die letzte Hauptstadt der Könige zu entdecken. Weil Kandy eine Reliquie von Buddha birgt, gilt sie als heilige Stadt. Pilger aus der ganzen Welt kommen hierher, um an den täglichen Gebeten teilzunehmen. Die sieben Schreine, die den Zahn dessen enthalten, der die Erleuchtung erlangte, werden nur zu diesen religiösen Anlässen gezeigt. Aber man braucht nicht gläubig zu sein, um die Feierlichkeit und Eleganz des Ortes auf sich wirken zu lassen. Ein beeindruckendes Erlebnis, an das man sich noch lange erinnert, und auch der Duft der unzähligen Blumen, mit denen die Gläubigen ihre Reliquie verehren, bleibt einem noch lange in der Nase.
Die Altstadt von Galle, Zeugin der kolonialen Vergangenheit Sri Lankas
Ein weiteres monumentales Tor erzählt diesmal von einer ganz anderen Epoche. Wer die Festungsmauer der Stadt Galle passiert, tritt in das Sri Lanka des 16. und 17. Jahrhunderts ein. Mit der Ankunft der Portugiesen wurden die ersten Verteidigungsmauern errichtet. Einige Jahre später bauten die Holländer die kleine befestigte Stadt zu einer – so hoffte man – uneinnehmbaren Bastion aus.

Noch heute ist die Stadt ein bemerkenswertes Beispiel einer befestigten Zitadelle. In den engen Gassen der Stadt spiegeln die Architekturstile die Vergangenheit des Ortes wider. Asiatische und europäische Einflüsse vermischen sich zu einem architektonischen Ganzen, das den Charme von Galle ausmacht. Im Schutz der Stadtmauern lässt es sich herrlich bummeln, um die Cafés, Kunstgalerien und Gebäude aus der Kolonialzeit zu entdecken. Mit ein wenig Glück kann man sogar einen Blick auf die Einheimischen bei einem von den Engländern importierten Sport erhaschen: dem Cricket. Am Ende des Tages lohnt sich ein Spaziergang zum von Palmen umgebenen Leuchtturm, der bei Sonnenuntergang noch malerischer wirkt.
Eine vom Buddhismus geprägte Geschichte
Buddha und seine Anhänger sind untrennbar mit Sri Lanka verbunden und haben die Landschaft der Insel maßgeblich geprägt. Der aus Indien stammende religiöse und philosophische Glaube kam im Laufe des 3. Jh. v. Chr. nach Sri Lanka und hat sich seither zur Mehrheitsreligion des Landes entwickelt. Zwar sind die buddhistischen Statuen, Dagoben und Tempel im ganzen Land allgegenwärtig, zwei Stätten heben sich jedoch durch ihre geschichtliche und kulturelle Bedeutung besonders hervor.

Im Norden von Kandy, der Stadt mit der berühmten Reliquie, verbirgt sich der bedeutendste Höhlentempel-Komplex. Der Höhlentempel von Rangiri Dambulla reicht fast bis zu den Anfängen des Buddhismus zurück und ist noch heute eine Pilgerstätte. Rund achtzig Höhlen mit bemalten Wänden bergen insgesamt 157 Buddha-Statuen. Ein einzigartiger Ort mit ruhiger, friedvoller Atmosphäre. In diesem Hell-Dunkel-Kontrast hebt die dezente Beleuchtung die goldene Farbe der Wände hervor und lässt die Mauern wie prunkvolle Wandbehänge erscheinen. Im Gegensatz zu diesem gedämpften Dekor ist die Stadt Anuradhapura lichtdurchflutet. Diese heilige Stadt, die 1300 Jahre lang die Hauptstadt Ceylons war, wurde rund um den Ableger eines Feigenbaumes erbaut. Eine buddhistische Frau aus Indien brachte einen Zweig vom „Baum des Erwachens“ mit, unter dem Buddha die Erleuchtung erlangt hatte. Heute ist aus dem Zweig selbst ein majestätischer Baum geworden. Stolz ragt er in der Mitte des großen Baumparks empor, in den sich Klosterruinen, Dagoben und andere Skulpturen schmiegen. Bei Einbruch der Dunkelheit verleihen die Flammen der Kerzen und die Weihrauchstäbchen diesen heiligen Stätten noch mehr Magie.